Filme beim Filmz
Der von mir hochgeschätzte Jens Friebe hatte auf seinem ersten Albumden Song “Deutsches Kino”, in dem es um eben dieses ging. Der Text war nicht gerade eine Ode an den Deutschen Film. Ich persönlich hingegen mochte in den vergangenen Jahren doch einiges, was an Filmen in Deutschland hergestellt und gedreht wurde. Und mit dieser Einstellung scheine ich nicht der einzige zu sein. Schließlich gibt es hier in Mainz das FILMZ – Festival des deutschen Kinos.
Aus Zeitnot war ich zwar nur bei ein paar Vorstellungen, die konnten mich aber fast restlos überzeugen.
13 Semester
Seit ich studiere frage ich mich, wieso es eigentlich so wenige Filme über die Zeit gibt, die viele als eine der interessantesten und wichtigsten Phasen ihres Lebens ansehen. 13 Semester ist einer der ersten großen Filme, der sich der Studienzeit seiner Protagonisten widmet.
In 13 Episoden wird die Studienzeit der Hauptperson Moritz (Max Riemelt) nacherzählt – eine Episode pro Semester. Dabei passiert mal weniger, dann ist das Semester in wenigen Filmsekunden abgehandelt, und mal mehr. So kann der Film trotz rein rechnerisch nur 7 Minuten pro Semester auch vernünftige Geschichten erzählen und die verschiedensten Figuren einführen. Die wohl am besten gelungene ist die des indischen Austauschstudenten Aswin (Amit Shah).
Vor allem ist der Film aber lustig. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass Vicco von Bülow (a.k.a. Loriot) beim Drehbuch mitgeholfen hat. Zusammen mit diesem Großmeister des Humors ist vielleicht einer der lustigsten deutschen Filme der letzten Jahre entstanden.
13 Semester (ab 10. Januar 2010 regulär im Kino. Deutschland 2009, 101 Minuten; R.: Frieder Wittich, D: Max Riemelt, Alexander Fehling, Claudia Eisinger, Amit Shah. Mit Musik u.a. von Bonaparte) | Homepage | Trailer
Als Vorfilm von 13 Semester lief Edgar, ein wunderschöner Film um die Langeweile und Arbeitswut eines Rentners, dargestellt vom von mir hochgeschätzten Wilfried Dziallas. (Homepage | Trailer)
Double-Feature: Im Anhang: Lebenslauf/Das große Glück sozusagen
Mit Filmen abseits konventioneller Länge ist es ja immer etwas schwierig: Nicht nur gibt es im Fernsehen für sie keine geeigneten Sendeplätze, auch im Kino haben Filme es schwer, die sehr viel kürzer sind als die normalen 80 bis 120 Minuten. Daher ist es schön, dass es so etwas wie Double Features gibt, bei denen zwei jeweils knapp einstündige Filme nacheinander gezeigt werden können.
Der erste Film beim diesjährigen FILMZ-Double-Feature, Im Anhang: Lebenslauf, ging es einmal mehr um die Probleme junger Menschen in der heutigen Zeit: Gerda (Katharina Leipfinger) ist seit ein paar Jahren mit dem Studium fertig, tingelt aber immer noch quer durch Europa von Praktikum zu Praktikum. Das neueste führt sie nach Herrmanstadt in Rumänien – gemeinsam mit dem 30jährigen festangestellten Designer Micha, der ihr anbietet, sie in seinem Wohnmobil dorthin zu bringen, nachdem sie am Tag nach ihrer Abschiedsparty den Flieger verpasst.
Die Problematik der “Generation Praktikum”, wie wir heute 20 bis 30jährigen ja gerne bezeichnet werden, wird so in einem Roadmovie deutlich. Manchmal ist die Geschichte zwar etwas unrealistisch, aber damit muss man wohl leben. Alles in allem ist Im Anhang: Lebenslauf nämlich durchaus sehenswert – vor allem auch wegen wunderschöner Landschaftsaufnahmen. Und ich bin ja eh ein Fan von Roadmovies.
Bei Das große Glück sozusagen wusste ich erst nicht, was ich vom Film halten sollte. Es geht um Georg (Simon Hatzl) mit Schreibblockade und den arbeitslosen Loser Alois (Michael Fuith). Am Anfang ist Georg noch genervt von Alois, je länger er sich aber unfreiwillig mit ihm beschäftigt, um so mehr scheint er einen Nutzen in ihm zu sehen: Alois wird der Held in Georgs neuem Roman. Dass ist zwar über weite Strecken lustig, aber manchmal hatte ich ein seltsam schlechtes Gewissen, über eine so traurige Gestalt wie Alois zu lachen. Aber das muss wohl jeder, der den Film sieht, mit sich selbst ausmachen.
Im Anhang: Lebenslauf (Deutschland 2009, 59 Minuten; R: Andrea Schorr, D: Katharina Leipfinger, Thomas Pasieka, Sarah Kempin) | Homepage | Trailer
Das große Glück Sozusagen (Österreich 2008, 53 Minuten; R: Alexander Stecher, D: Simon Hatzl, Michael Fuith) | Homepage
Rhein-Main-Rolle
Bei der Rhein-Main-Rolle gab es 10 Kurzfilme aus der Region zu sehen, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Deshalb ist es kein Wunder, dass mir zwei völlig unterschiedliche Filme am besten gefallen haben:
Between from Via Grafik on Vimeo.
B ETWE EN (R: Tim Bollinger, 5 Minuten) (kompletter Film via netzfeuilleton)
Horst – Official Trailer from Wolf-Tassilo Sack on Vimeo.
Horst (R: Wolf-Tassilo Sack, 16 Minuten, nach einer Geschichte von Horst Evers) | Homepage
Infos zu den weiteren Filmen auf der FILMZ-Homepage
heute Abend, 20 Uhr, findet im Residenz-Kino in Mainz noch der Kurzfilm-Wettbewerb statt. Im Anschluss werden die Festivalpreise verliehen. Mal schauen, ob ich’s schaffe, dort vorbeizuschauen.
