FemIn-ismus in der Sprache
Am Samstag erschien auf dem Blog zum tazkongress ein Artikel über die Benutzung des Binnen-Is. Der Artikel war quasi ein virtueller Begleitkommentar zu einem Artikel im taz-Weltfrauentags-Special, für den die taz-Redakteurin Heide Oestrich auch eine kleine Umfrage in der taz-Redaktion veranstaltet hatte. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt das Binnen-I ab.
Ich ebenfalls. Ich benutze das Binnen-I deshalb auch nicht. Ich schreibe noch nicht einmal “Studentinnen und Studenten”, manchmal nicht einmal “Studierende”. Auch Frauen können zum Beispiel Lehrer oder Polizisten, selbst Politiker sein. Angela Merkel würde ich zu den deutschen Bundeskanzlern zählen. Ganz ohne zusätzliches -in.
Das generische Maskulin benutze ich aber nicht nur aus Faulheit. Denn Binnen-I und Co. stören erheblich beim Lesen. Ein besonders krasses Beispiel: Das Zentralorgan des Mainzer AStA, die Unipress. Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Artikel in der “Zeitung der Studentinnenschaft” (Selbstdarstellung) so sehr politisch eingefärbt sind, dass daneben selbst die junge Welt als gemäßigte rechte Zeitung daherkommt, und die Artikel meistens auch nicht besonders gut geschrieben sind, stört doch eines am allermeisten: Die Benutzung von Binnen-Is und ähnlichem. Sogar an Stellen, wo sie keinen Sinn machen. Zum Beispiel ging es in einer Ausgabe einmal um Vergewaltigungen im zweiten Weltkrieg, und deren Opfer und Täter. In dem Text ging es nur um männliche Täter. Im Teaser auf der ersten Seite stand dennoch etwas von TäterInnen. Ganz als ob noch ein paar Zeichen fehlten, um die Seite vollzubekommen.
So schlimm ist das natürlich alles nicht. Nur etwas nervig. Richtig schlimm wird es erst, wenn das ganze auf Fernsehen und Radio überspringt. Ich habe einmal einen wirklich interessanten Beitrag (ich weiß nur nicht mehr, worum es ging – irgendwas kulturelles glaub ich) gesehen, den ich trotzdem fast nicht zu Ende geguckt habe, nur weil Sekunde um Sekunde mit irgendwelchen pseudo-politisch-korrekten Umschreibungen von Berufen und ähnlichem verschwendet wurde.
In der schon erwähnten taz-Umfrage kam von zwei Redakteuren folgende Antwort zurück: “Das Binnen-I zementiert Zweigeschlechtlichkeit und diskriminiert andere Geschlechter”. Man kann darüber streiten, ob das Binnen-I anti-feministisch ist oder nicht. Zur Gleichberechtigung von Mann und Frau trägt sie aber auf keinen Fall bei.