Befindlichkeitsjournalismus
Vor ein paar Wochen habe ich mich mit zwei Kommilitoninnen über die Neon unterhalten. Wir waren alle drei Abonennten der Zeitschrift, die ich selbst einmal als eine Art “Leitmedium meiner Altersklasse” bezeichnet habe. In unserem Gespräch ging es trotzdem vor allem darum, wie doof die Neon eigentlich ist. Eine meiner Gesprächspartnerinnen hatte sie deshalb schon abbestellt, die andere bekommt sie noch immer in ihr Elternhaus geliefert, obwohl sie schon lange nicht mehr dort wohnt. Und auch ich habe mein Abonnement diese Woche beendet.
Keine Frage: Die Neon ist eine der bestgemachten Zeitschriften auf dem deutschen Markt. Die Texte sind fast immer gut geschrieben und das Layout ist erstklassig. Allerdings sind die Themen zu oft die selben: Liebe, Sex und Zärtlichkeiten nehmen fast mehr Platz ein als in der Bravo. Und das jeden Monat. Wenn man aber, wie ich, seit 5 Jahren diese Zeitschrift liest, wiederholt sich dieser Befindlichkeitsjournalismus doch irgendwann. Mittlerweile ist fast jede Beziehungssituation in der einen oder anderen Form abgefrühstückt. Es springen, sowohl in diesem Hauptthema der Zeitschrift als auch darüber hinaus, immer wieder tolle Texte heraus, aber es ist einfach nicht mehr so, dass ich die aktuelle Ausgabe schon zwei Tage nach erscheinen durch habe und kaum auf die nächste warten kann. Die Relevanz, die ich, vielleicht zu Unrecht, mal in dieser Zeitschrift gesehen habe, ist einfach verlorengegangen. Vielleicht war sie auch nie da. Schließlich hatte selbst die Vanity Fair eine fast so hohe Auflage wie die Neon.
Von daher war das größte Hinderniss, das Abo zu kündigen, auch nicht, dass ich nicht auf die Zeitschrift verzichten könnte, sondern eher, dass sie Mittlerweile 1 1/2 Fächer in meinem Regal einnimmt und diese Reihe nun unterbrochen wird. Und das sieht einfach doof aus. Aber da muss ich nun wohl durch – ich werde das wohl schaffen…
Das einzige, was ich an Inhalten vermissen werde, sind die “deutschen Geschichten” und das Bilderrätsel. Aber für die 2 Seiten geb’ ich keine 3 Euro jeden Monat aus.
Mittlerweile sieht sich anscheinend die Neon auch selbst als Leitmedium einer Generation. Nicht umsonst schreibt sie auf der aktuellen Titelseite etwas von der “Generation Neon”. Diese Selbstüberschätzung ist vielleicht geerbt vom mutterblatt Stern. Das bezeichnet sich ja auch immer noch als “Nachrichtenmagazin”.
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