aisopis’ blog Jungs, hier kommt der Masterplan

Posts from August 2009

Lesebefehl: eva i norge

Das erste Blog, das ich bewusst gelesen habe, war jenes, das mein älterer Bruder zu Beginn seines Auslandsstudiums in den USA angelegt hatte. Und auch heute findet sich noch das eine oder andere Austauschstudenten-Blog in meinem Feedreader. Aber eines möchte ich dabei besonders herausheben: Eva, eine Kommilitonin von mir, ist seit kurzem für einige Monate in Norwegen und besucht dort die nördlichste Uni der Welt. Und schreibt darüber. Und zwar mit so viel Witz und Verstand, wie ich es selten gelesen habe. Hier ein paar Auszüge:

Ein kleines Mädchen namens Evi zwickte im nordnorwegischen Tromsö so arg der Magen, dass sie ihre müden Glieder aktivierte und sich zwecks Nahrungsbeschaffung auf die Suche machte nach einer Lebensmittelkette.
Unsere sympathische Heldin fühlte sich nach einem Jahr Uni-Sprachkurs linguistisch gewappnet und flötete wohl artikuliert einen norwegischen Jogger an: “Unnskyld, jeg leter etter supermarket! Kan du hjelper meg?“ Hjelpen konnte der Jogger theoretisch schon, praktisch brach die Kommunikation aber an dieser Stelle ab, denn der Jogger sagte unterlegt von wilden, aber missverständlichen Gesten für Evis Ohren ungefähr Folgendes: “Äu öu hü jo leg eta huk supermarket!” Oder so ähnlich. Dann verschwand er in einem wilden Wald, um Wale zu schlachten oder was weiß ich. (Legasthenische Akzente und norwegisches Teleshopping)

Ich wollte auch so gerne ein wenig töff sein! Also schmiss ich ein bisschen die Cola um und trank ein Schlückchen Wodka und biss auf eine Winzigkeit Kautabak: Meine Backe wurden von innen mit brennenden Säuren verätzt, ein modrig-erdiger Geschmack feierte eine Party auf meinem Zungenplateau – Ich fühlte mich töff! (extreme-actions, Kautabak und vorspiel)

Ich weiß, es scheint, ich würde hier Klischees dreschen und massenhaft mäkeln, deshalb glaubt man mir vielleicht auch nicht, aber: Tatsächlich freue mich auf Norwegen! Die Menschen dort scheinen zu schweigen, bringen dafür aber dauernd Wale um diverse Ecken. Erstes mag ich nicht, zweites gefällt mir. Beides zusammen ist irgendwie ein bisschen – oder sogar ziemlich – daneben, das finde ich spannend.(Schweigende Norweger schlachten Wale)

Und auch die teilweise eingestreuten Zeichnungen sind gelungen und passen wie die Faust aufs Auge.

Wenn ihr also wissen wollt, wie es in Norwegen aussieht, dann lest Evas Blog.


Befindlichkeitsjournalismus

Vor ein paar Wochen habe ich mich mit zwei Kommilitoninnen über die Neon unterhalten. Wir waren alle drei Abonennten der Zeitschrift, die ich selbst einmal als eine Art “Leitmedium meiner Altersklasse” bezeichnet habe. In unserem Gespräch ging es trotzdem vor allem darum, wie doof die Neon eigentlich ist. Eine meiner Gesprächspartnerinnen hatte sie deshalb schon abbestellt, die andere bekommt sie noch immer in ihr Elternhaus geliefert, obwohl sie schon lange nicht mehr dort wohnt. Und auch ich habe mein Abonnement diese Woche beendet.

Keine Frage: Die Neon ist eine der bestgemachten Zeitschriften auf dem deutschen Markt. Die Texte sind fast immer gut geschrieben und das Layout ist erstklassig. Allerdings sind die Themen zu oft die selben: Liebe, Sex und Zärtlichkeiten nehmen fast mehr Platz ein als in der Bravo. Und das jeden Monat. Wenn man aber, wie ich, seit 5 Jahren diese Zeitschrift liest, wiederholt sich dieser Befindlichkeitsjournalismus doch irgendwann. Mittlerweile ist fast jede Beziehungssituation in der einen oder anderen Form abgefrühstückt. Es springen, sowohl in diesem Hauptthema der Zeitschrift als auch darüber hinaus, immer wieder tolle Texte heraus, aber es ist einfach nicht mehr so, dass ich die aktuelle Ausgabe schon zwei Tage nach erscheinen durch habe und kaum auf die nächste warten kann. Die Relevanz, die ich, vielleicht zu Unrecht, mal in dieser Zeitschrift gesehen habe, ist einfach verlorengegangen. Vielleicht war sie auch nie da. Schließlich hatte selbst die Vanity Fair eine fast so hohe Auflage wie die Neon.

Von daher war das größte Hinderniss, das Abo zu kündigen, auch nicht, dass ich nicht auf die Zeitschrift verzichten könnte, sondern eher, dass sie Mittlerweile 1 1/2 Fächer in meinem Regal einnimmt und diese Reihe nun unterbrochen wird. Und das sieht einfach doof aus. Aber da muss ich nun wohl durch – ich werde das wohl schaffen…

Das einzige, was ich an Inhalten vermissen werde, sind die “deutschen Geschichten” und das Bilderrätsel. Aber für die 2 Seiten geb’ ich keine 3 Euro jeden Monat aus.

Mittlerweile sieht sich anscheinend die Neon auch selbst als Leitmedium einer Generation. Nicht umsonst schreibt sie auf der aktuellen Titelseite etwas von der “Generation Neon”. Diese Selbstüberschätzung ist vielleicht geerbt vom mutterblatt Stern. Das bezeichnet sich ja auch immer noch als “Nachrichtenmagazin”.


Shit Happens

Mal wieder ein großartiger britischer Kurzfilm über die kleinen Dinge, die Großes verursachen können:

This is Me (R.: Sam Arthur)

via Nerdcore


Skins bald im deutschen Fernsehen

Während die deutschen Free-TV Sender anscheinend immer noch nicht mitbekommen haben, dass Fernsehserien mittlerweile weder in Qualität noch in Zuschauerbeliebtheit hinter großen Hollywood-Blockbuster-Filmen herhinken, und die besten Produktionen entweder gar nicht senden oder auf unmöglichen Sendeplätzen verstecken, hat es zumindest ein Pay-TV-Sender mitbekommen. Die Rede ist vom FOX Channel. Gut, der ist, wie der Name schon andeutet, eine Tochter von Rupert Murdochs FOX Network (u.a. Die Simpsons, OC California) und weiß um den Erfolg gutgemachter Serien wohl aus dem Mutterland. Und das beste: Die Serien werden (laut Wikipedia) sowohl mit deutschem als auch mit Originalton ausgestrahlt. Das einzige Problem: Man kann den Sender nicht einzeln abonnieren – sonst würd ich das vielleicht machen.

Lange Einleitung, kommen wir nun zum Hauptanlass dieses Artikels: Ab dem 20. August zeigt FOX eine meiner 2 Lieblingsserien: Skins.1

Skins ist eine Britische Serie. Das reicht fast schon als Qualitätsmerkmal, denn Britischer Humor ist einfach so mit der beste, den es gibt. Aber Skins ist keine Comedy-Serie. Es ist mehr eine Jugend-Drama-Serie. Die Akteure sind zwar viel Jünger als ich (die Serie begleitet sie jeweils zwischen ihrem 16. und 18. Lebensjahr) und nehmen viel mehr Drogen, aber ihre Probleme sind absolut Authentisch. Und wie sie damit umgehen sowieso. Das unrealistischste an der Serie ist vielleicht, dass es für England zu wenig regnet2 Und wenn dann noch so tolle Musik dazu kommt (u.a. Liveauftritte von den Foals und You love her coz she’s dead, aber auch ansonsten wunderbare – und überaus bedachte – Songauswahl), dann ist dass einfach nur toll.

Zum ersten mal von Skins gehört hatte ich in einem Artikel bei Coffee und TV. Von der ersten Folge war ich zwar nicht auf Anhieb überzeugt3, aber spätestens als ich mir das etwas ausgefallene Erzählprinzip der Serie angesehen habe, war ich doch wieder angetan: Jede Folge konzentriert sich auf eine andere Hauptperson. So machen einzelne Folgen schon Spaß, es können aber trotzdem überaus komplexe Geschichten erzählt werden.

Leider kann man (wie gesagt) den Fox Channel nicht einzeln abonnieren, aber wofür gibt es das Internet und die Globalisierung: Erstens sind in England ja alle drei mittlerweile gelaufenen Staffeln auf DVD erhältlich und damit über Amazon Marketplace und dergleichen auch in Deutschland und zum anderen ist die erste Folge auch (legal) im Internet verfügbar:

Tony – Skins – Hautnah, erste Folge exklusiv auf MySpace

Skins – Episode 1: Tony (Deutsch) (video via Spreeblick)

Natürlich ist die Synchronisation mal wieder unter aller Sau. Aber wie will man auch eine Sendung, in der britisches Englisch gesprochen wird,4 auch vernünftig synchronisieren. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Sehr empfehlenswert ist übrigens auch die Seite des produzierenden Senders E4, wo neben ganz vielen Hintergrundinfos auch jede Menge Videos (Hinter den Kulissen, Zwischenepisoden etc.) angesehen werden können. Bis auf die eigentliche Serie ist auch alles von Deutschland aus erreichbar.

Skins Special Party (Sonderepisode zwischen 1. und 2. Staffel mit Liveauftritt von den Foals)

Aber wieso kann so eine Serie nicht einmal aus Deutschland kommen?

  1. Meine andere Lieblingsserie ist How I Met Your Mother, dazu aber an anderer Stelle vielleicht einmal mehr []
  2. obwohl Bristol, wo die Serie spielt, eine der sonnenreichsten Städte Englands ist []
  3. oder zumindest nicht so extrem begeistert wie etwas später []
  4. und Fuck natürlich als Modalpartikel benutzt wird []