Alltagsreiseführer
Auf der Rückseite verspricht das Buch “Oh, wie schön ist Parkhaus 4″ von Lars Weisbrod unter anderem, dass erzählt wird, was den Zauber eines Möbelhauses in der Nacht, wenn man dort alleine ist, ausmacht. Da ich auch schon seit meiner Kindheit träume, einmal Nachts im Möbelhaus eingeschlossen zu sein, habe ich mich vor allem hierauf gefreut. Also auf das Kapitel über Möbelhäuser. Nur leider übernachtet dort keiner. Eine erste Entäuschung in diesem Buch.
Es geht aber nicht nur um Möbelhäuser, sondern auch um Baumärkte, den eigenen Garten, Flughäfen, Bahnhöfe, Kioske und vieles mehr – eben alles, an dem man im Alltag meist dran vorbeigeht, was aber durchaus seinen Zauber haben kann. Nur leider wird dieser Zauber nicht immer deutlich. Sicher, das Buch hat seine wunderbaren Stellen. Zum Beispiel wenn im Kapitel über einen Abend im eigenen Garten Tocotronic zitiert werden, oder das gesamte Kapitel über Elektrofachmärkte. Aber im großen und ganzen ist das meiste, nun ja, ziemlich egal. Lars Weisbrod kommt irgendwie selten zum Punkt. Das mag gewollt sein, aber manchmal hätte den Texten ein wenig mehr Substanz gut getan.
In dem schon erwähnten Kapitel über “Garten und Terassen” steht unter anderem auch der Satz “Manche Romane werden geschrieben nur für heiße Sommertage im Gartenstuhl.” Auch wenn “Oh, wie schön ist Parkhaus 4″ kein Roman ist, scheint auch dieses Buch besonders gut für einen heißen Sommertag im Gartenstuhl zu taugen, oder – weil die Texte meist nur wenige Seiten lang sind – als Klo- oder Straßenbahnlektüre.
Als “Reiseführer für den Alltag” eignet sich aber Roger Willemsens “Deutschlandreise” besser. Aber das ist ja auch eins der besten Bücher der letzten 10 Jahre.
“Oh, wie schön ist Parkhaus 4: Reisen um die Ecke” von Lars Weisbrod. Erschienen 2008 im Knaur Verlag. €6,95.
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