aisopis’ blog Jungs, hier kommt der Masterplan

Posts from Mai 2009

Demokratie – oder was einige Politiker darunter verstehen

Im Moment, das dürfte fast jeder, der hier mitliest, mittlerweile mitbekommen haben, läuft ja eine Online-Petition gegen die Pläne der von der Leyen, Internetsperren einzurichten.

Einmal ganz davon abgesehen, dass diese Internetsperren so ungefähr ziemlich genau kein bisschen im Kampf gegen Kinderpornografie helfen – sie lassen sich von jedem ein wenig mit Computern vertrauten Menschen, und das dürften Kinderpornografie-Konsumenten schon jetzt in den meisten Fällen sein – ist fast noch schockierender, was um das Gesetz und die Petition herum passiert.

Für Leute, die – aus welchen Gründen auch immer – auf eine Seite gelangt sind, die auf der Sperrliste steht, soll anscheinend eine der wichtigsten Grundlagen des Strafrechts aufgeweicht oder ganz abgeschafft werden: Die Unschuldsvermutung. So meldet es zumindest heise.de (via atari-frosch) – im Gesetzentwurf habe ich dazu nichts gefunden.

Aber auch davon abgesehen zeigt unser Bundeswirtschaftsminister, dessen Ministerium aus irgendwelchen Gründen am Gesetzesentwurf hauptverantwortlich ist, mal wie sein Demokratieverständnis aussieht:

(via Netzpolitik, wo im übrigen auch die Kommentare sehr lesenswert sind)

Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornografischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich einer der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.

Ob er die Petition erst gar nicht gelesen hat oder nicht verstanden hat – oder nicht verstehen wollte, vermag ich nicht zu sagen. Dort steht nämlich ausdrücklich, dass der Kampf gegen Kinderpornografie gut und wichtig ist. Aber über 50.000 Menschen in die Nähe von Pädophilen zu rücken, das halte ich dann doch für ein starkes Stück.

Nur noch mal zur Verdeutlichung: Über 50.000 Menschen in nur 4 Tagen haben die Petition unterschrieben. Das sind, nur einmal als Vergleich, mehr Menschen, als Städte wie zum Beispiel Soest (Westf.) Einwohner hat. Mehr Menschen, als in die meisten Bundesliga-Stadien passen – und das in Zeiten, in denen sich immer wieder über Politikverdrossenheit echauffiert wird. In nur wenigen Tagen. Und die sollen alle pädophil sein

Der Petitionsausschuss des Bundestages wird sich nun der Petition annehmen müssen. Man kann nur hoffen, dass dort nicht jeder, der gegen Internetzensur ist, gleich auch pädophil ist.


Alltagsreiseführer

Auf der Rückseite verspricht das Buch “Oh, wie schön ist Parkhaus 4″ von Lars Weisbrod unter anderem, dass erzählt wird, was den Zauber eines Möbelhauses in der Nacht, wenn man dort alleine ist, ausmacht. Da ich auch schon seit meiner Kindheit träume, einmal Nachts im Möbelhaus eingeschlossen zu sein, habe ich mich vor allem hierauf gefreut. Also auf das Kapitel über Möbelhäuser. Nur leider übernachtet dort keiner. Eine erste Entäuschung in diesem Buch.

Es geht aber nicht nur um Möbelhäuser, sondern auch um Baumärkte, den eigenen Garten, Flughäfen, Bahnhöfe, Kioske und vieles mehr – eben alles, an dem man im Alltag meist dran vorbeigeht, was aber durchaus seinen Zauber haben kann. Nur leider wird dieser Zauber nicht immer deutlich. Sicher, das Buch hat seine wunderbaren Stellen. Zum Beispiel wenn im Kapitel über einen Abend im eigenen Garten Tocotronic zitiert werden, oder das gesamte Kapitel über Elektrofachmärkte. Aber im großen und ganzen ist das meiste, nun ja, ziemlich egal. Lars Weisbrod kommt irgendwie selten zum Punkt. Das mag gewollt sein, aber manchmal hätte den Texten ein wenig mehr Substanz gut getan.

In dem schon erwähnten Kapitel über “Garten und Terassen” steht unter anderem auch der Satz “Manche Romane werden geschrieben nur für heiße Sommertage im Gartenstuhl.” Auch wenn “Oh, wie schön ist Parkhaus 4″ kein Roman ist, scheint auch dieses Buch besonders gut für einen heißen Sommertag im Gartenstuhl zu taugen, oder – weil die Texte meist nur wenige Seiten lang sind – als Klo- oder Straßenbahnlektüre.

Als “Reiseführer für den Alltag” eignet sich aber Roger Willemsens “Deutschlandreise” besser. Aber das ist ja auch eins der besten Bücher der letzten 10 Jahre.

“Oh, wie schön ist Parkhaus 4: Reisen um die Ecke” von Lars Weisbrod. Erschienen 2008 im Knaur Verlag. €6,95.


Verlinkt: Politik und Internet. Und so.

Bevor das noch in meinem delicious-feed untergeht, verlink ich es auch nochmal hier:

Welchen Eindruck wird ein normaler, uninformierter Mensch haben, wenn ein nerdiger Typ “Zensur!” schreit, während Frau von der Leyen scheinbar gegen Kindesmissbrauch kämpft? Wie reagiert ein Fließbandarbeiter bei Opel auf Sascha Lobo, der im Fernsehen erzählt, dass ohne Social Web bald nichts mehr geht, man auch prima mit dem Laptop im Café arbeiten kann und warum er trotz Aufschieberitis produktiv ist?

>> “Hier läuft was falsch” bei ennomane.de (via coffee&tv)


Einfach Bach: Überraschend lustig

Eigentlich mag ich Dirk Bach ja gar nicht. Und Sketch-Comedy ist auch meistens unlustig. Und Sat1 ist der Sender, den ich am seltensten gucke (zumindest von den 13, die ich auf meinem Fernseher empfange). Trotz dieser ganzen überaus schlechten Vorzeichen ist das, was ich bisher von Dirk Bachs neuer Sendung “Einfach Bach” gesehen habe, überraschend gut. Ziemlich gut sogar.

Comedy ist ja nicht gerade des deutschen Fernsehens stärkstes Genre. Das meiste, was es im Fernsehen in diesem Bereich zu sehen gibt, ist entweder schlichtweg dumm oder einfach nicht lustig, meist aber beides auf einmal. Ausnahmen (Switch, Mein neuer Freund etc.) bestätigen natürlich die Regel. Besonders Sat1 hat mit dem Fun-Freitag eine besonders schlimme Sende-Strecke im Programm.

Seit kurzem jedoch gibt es ausgerechnet auf diesem mittlerweile nicht nur qualitäts-, sondern auch quotenmäßigen Problemsendeplatz einen Lichtblick: Einfach Bach.

Sat1 verspricht “24 Lacher in 24 Minuten” – das mag vielleicht etwas übertrieben sein. Aber 24 Schmunzler und ein paar Lacher sind – verglichen mit dem, was sonst auf diesem Sendeplatz läuft – auch schon einiges. Besonders, wenn zwischen eher mittelmäßigen Sketchen wirklich großartige wie “Das Perfekte Abendmahl” laufen:

Wie gesagt: Nicht jeder Witz und jeder Sketch ist ein Brüller, und es handelt sich vielleicht auch nicht um die niveauvollste Unterhaltung aller Zeiten, aber eine solide Comedysendung, lustiger als die meisten ihrer Art, ist Einfach Bach auf jeden Fall.

Einfach Bach läuft Freitags 21.15 auf Sat1 (Wiederholung Sonntags Mittags), die meisten Sketche können auf Sat1.de angesehen werden.