aisopis’ blog Jungs, hier kommt der Masterplan

Mein Feind: Bauerfeind

Im letzten Semester habe ich ein Seminar belegt, in dem es um die Frage ging, wie die öffentlich-rechtlichen Sender wieder mehr junge Zuschauer erreichen könnten. In einem Referat ging es dabei auch um Katrin Bauerfeind, denn die ist eines dieser Gesichter, oder, wie es im Seminar so schön hieß, “Protagonisten im Kampf gegen die Überalterung.”1 Und anscheinend war unser Dozent, selbst im Hause 3Sat beschäftigt, nicht der einzige, der einen Narren an dieser Frau gefressen hat.

Ich konnte den Hype um Katrin Bauerfeind noch nie verstehen. Ich habe ehrlich gesagt Ehrensenf nie gesehen, aber seit Katrin Bauerfeinds erstem großen Auftritt als TV-Moderatorin bei der Berlinale-Eröffnung 2008 entfährt mir meist nur eins, wenn ich die Frau im Fernsehen sehe: “Och, nö. Nicht schon wieder”. Auch ihre Schwangerschaftsvertretung Tita von Hardenbergs beim mitlerweile eingestellten Polylux machte die Sache nicht besser. Die von Hardenberg moderierte ja schon seltsam. Aber die Bauerfeind einfach nur schlecht.

Die Krone wird dem ganzen aber jetzt aufgesetzt: Katrin Bauerfeind hat ihre eigene Sendung. Diese Woche zum zweiten Mal nahm die Sendung den Platz ein, der wohl mit der Einstellung von Polylux freigeworden ist. Nicht im Programmschema, aber thematisch. Es geht um Popkultur in “Bauerfeind”, jeden ersten Mittwoch im Monat. Um Popkultur im weitesten Sinne.

Man könnte also viel aus dem Schema machen, zumal sich die On-Screen-Designer mal etwas trauen durften: Die ganze Sendung ist wie ein Computerbildschirm aufgebaut, die einzelnen Einspieler werden per sichtbarem Mausklick gestartet und beendet. Leider sieht das in der Praxis einfach nur doof aus. Noch schlimmer wird es dann auch nur, wenn Katrin Bauerfeind die Einspieler unterbricht, nur um irgendeinen seltsamen Kommentar abzugeben. Das soll vielleicht lustig daherkommen und die Sendung auflockern – in Wirklichkeit stört es aber einfach.2

Obwohl, viel zu zerstören gibt es bei den Einspielern ohnehin nicht. Bei der Premierensendung vor einem Monat zum Beispiel ging es um den Online-Wahlkampf in Deutschland. Und wer wurde als einziges gefragt? Die Wahlkampfbeauftragten3 der SPD und der CDU. Beispiele, was wirklich im Netz getan wird, gab es nicht wirklich. Ach ja, doch: Es wurde sich über die, die etwas im Netz machen (zum Beispiel Schäfer-Gümbel), lustig gemacht. Was denn nun, liebe Bauerfeind-Redaktion, wollt ihr Politik im Web 2.0 oder nicht?

Weiter ging es in der Sendung dann mit einem einfach nur peinlichen Interview mit Udo Lindenberg, in dem sich Katrin Bauerfeind wohl in ihrer Rolle als Groupie sehr gefiel, und einem extrem kurzen “Beitrag” über “das Sounddesign der CDU”. Was einem der letzte Beitrag sagen sollte, wurde einem auch beim zweiten mal sehen in der Mediathek nicht klar. Wahrscheinlich musste die halbe Stunde Sendezeit gefüllt werden.

Heute, bei der zweiten Sendung, sah es schon nicht mehr ganz so schlimm aus. Der Beitrag über Twitter war ganz ok, wenn auch nicht wirklich informativ – wenn ich nicht gewusst hätte, was Twitter ist, bezweifle ich, dass ich es nach dem Beitrag getan hätte.4 Danach kam ein Beitrag über Opel und andere Traditionsuntenehmen und die… äh… Steuererklärung. Das war zwar etwas wirr, aber durchaus charmant Das Interview mit Noel Gallagher ähnlich: Ganz nett anzusehen, aber etwas neues war nicht zu sehen oder hören. Die anderen beiden Beiträge (einer über ein Youtube-Synphonie-Casting, einer über Fotoautomaten5) waren sogar gar nicht schlecht. Das einzige, was wieder einmal störte: Die An-, Ab- und Zwischenmoderationen. Aber ein Aufwärtstrend ist immerhin zu sehen. Vielleicht wird die Sendung in fünf Jahren ja einmal ganz passabel sein.

Am Ende jeder Sendung kommt, wie am Computer, immer die Frage, ob man das Programm wirklich beenden möchte. Wenn mein Fernseher eine Maus hätte, ich würde extra fest drücken.

(Aber wenigstens habe ich jetzt die Chance, zum ersten und vielleicht einzigen mal in einer Hausarbeit den Verriss einer Sendung unterzubringen…)

Bauerfeind, jeden 1. Mittwoch im Monat, 21:30 auf 3Sat und danach in der 3sat Mediathek

Update: Katrin Bauerfeinds andere momentane Sendung, 1-2-3 Istanbul, in der sie zusammen mit dem Sänger Henning Wehland (H-Blockx/Söhne Mannheims) nach Istanbul reist und unterwegs Aufgaben löst, ist trotzdem ganz nett. Aber die macht sie ja eben auch nicht alleine.

1-2-3 Istanbul, morgen letzte Folge, alle Folgen aber auch in der 3Sat-Mediathek

  1. zu dieser Gruppe gehör(t)en sonst noch so illustre Namen wie Oliver Pocher, Bruce Darnell und Charlotte Roche []
  2. Und wenn man schon so ein Design benutzt, könnte man doch wenigstens die Online-Mediathek-Version des ganzen an das Design anpassen und die ganzen Buttons anklickbar machen. Stichwort Interaktivität und so. []
  3. glaub ich, auf jeden Fall Beauftragte für irgendwas in den Parteien []
  4. dann doch schon lieber – ich geb es ungern zu – Galileo []
  5. übrigens ist der im Beitrag gezeigte Fotoautomat nur deshalb so beliebt, weil die Fotos dort nur 2 Euro kosten []

Schon 2 Kommentare!

Von
kerstin
5. März 2009, 14 Uhr

hier mal eine kurze zusammenfassung deines beitrages: Beispiele, was wirklich im Netz getan wird, gab es nicht wirklich. Der Beitrag über Twitter war ganz ok, wenn auch nicht wirklich informativ – wenn ich nicht gewusst hätte, was Twitter ist, bezweifle ich, dass ich es nach dem Beitrag getan hätte.4 Danach kam ein Beitrag über Opel und andere Traditionsuntenehmen und die… äh… Steuererklärung.

ich find sie gut.


[...] Weitere infos zum Empfang gibt es beim ZDF. ja, genau, das Seminar, über das ich auch schon hier geschrieben habe [...]


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