aisopis’ blog Jungs, hier kommt der Masterplan

Das Radio stirbt nicht aus – guter Radiojournalismus schon

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen.

Bertholt Brecht, Radiotheorie

Das Deutsche Radio ist arm dran. Zwar laufen ihm nicht so sehr die Zuhörer weg wie beispielsweise den Zeitungen die Leser. Auch junge Menschen hören immer noch Radio – wenn auch weniger als ältere Generationen. Im Auto und in vielen Büros ist das Radio immer noch das beliebteste und meistgenutzte Medium, wenn auch meist nur nebenbei. Was dem Radio wegläuft, sind die Werbekunden und, auf Dauer genauso wichtig, in vielen Fällen die Qualität.

Die meisten der meistgehörten Radiosender in Deutschland gehören zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und das scheint auch gut so zu sein. Denn während sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer mal wieder selbst zum Affen macht oder für Skandale sorgt, sind die Radiosender in vielen Fällen noch immer die letzte Bastion von journalistischer Arbeit.

Vorletzten Freitag hatten diverse Moderatoren der privaten Radiosender dieser Republik mal wieder ihre 15 Minuten Ruhm. Besonders eindrucksvoll “nutzte” dies Hans Kristian Blomberg von big.fm (Baden-Württemberg), als er seiner Mitmoderatorin an die Brust fasste. Diese Einlage wurde zwar nicht mehr überboten, aber mit Ruhm bekleckerten sich die meisten seiner Kollegen in den anderen Bundesländern auch nicht. Wie auch schon die Jahre zuvor.

Aber während bei den Privaten manchmal Hofen und Malz schon verloren zu sein scheint, gibt es ja noch die öffentlich-rechtlichen. Und dass die es eigentlich drauf haben, zeigen sie fast so oft wie sie es zu vergessen scheinen. Manches Mal scheint der Unterschied zu den privaten nämlich hauptsächlich in weniger oder fehlender Werbung zu liegen.

In Mainz lasse ich mich zum Beispiel regelmäßig von DasDing, jener hochgelobten Jugend-Welle des SWR wecken. Nicht wegen guter Musik, gutem Journalismus oder sympathischen Moderatoren. Eher das Gegenteil. Das Programm bringt mich dazu, relativ schnell aufzustehen, den PC anzumachen und die Anlage auf den externen Eingang (an dem mein Computer hängt) umzustellen. Zu nervig und anbiedernd sind mir die Moderatoren bei DasDing. Journalistische Beiträge sucht man im Programm oft sehr lange.

Bei den anderen Jugend- und “Für-Alle-”Programmen sieht es oft ähnlich aus. Zwar sind die Moderatoren meist nicht so schlimm wie bei DasDing, aber journalistische Höchstleistungen gibt es bei den Massen-Pop-Wellen meist nicht zu hören. Mit der meist äußerst langweiligen Musik will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal habe ich das Gefühl, gute Radiosender gibt es nur im Internet.

(Eine Anmerkung noch: Die Kulturwellen scheiden für mich zumindest für die Weckfunktion meiner Anlage aus, da ich davon nicht aufwache…)


Schon 2 Kommentare!

Von
mandy.
25. Februar 2009, 0 Uhr

schöner artikel. quasi genau meine meinung.


[...] Allgemeiner Radio-Rant vor einigen Monaten war eigentlich nur in einer (schlechten) Laune geschrieben. Aber er scheint [...]


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